Rusalka
Zürcher Opernhaus
Rusalka ist die erfolgreichste
Oper von Antonín Dvořák. Sie
entstand im Jahr 1900 nach
einem Libretto von Jaroslav
Kvapil und wurde am 31. März
1901 am Prager
Nationaltheater unter der
Leitung von Karel Kovařovic
uraufgeführt. Meine Eindrücke
folgen ab Freitag.
Bilder & Text by Guido Signer
Ja, und hier sind sie. Vorne weg: Ich bin in der Pause nach Hause. Das heisst eigentlich nicht direkt...
zuerst gab es noch eine Bratwurst und zwei Bier beim Sternen Grill. Aber das ist eine andere Geschichte ;-)
Auf jeden Fall sitze ich erwartungsvoll in der dritten Reihe in der Volksvorstellung. “Super Platz”, dachte ich
zuerst. “Von hier aus siehst Du jedes Detail.” (Normalerweise sitze ich ja im zweiten Rang und habe mehr die
Adlerperspektive) Nach einer gewissen Zeit, wäre ich aber froh gewesen ich hätte nicht jedes Detail gesehen.
Aber nun von Anfang an. Genau, der Anfang:
Zuerst natürlich die Ouvertüre. Da ist eine Frau auf der Bühne, welche als Penner(in) ein Kinderkleidchen
in die Lüfte entlässt. Was will uns der Künstler damit sagen? Das Rusalka am Schluss keine Kinder kriegt?
Eine Diskussion über ein Rollenverständnis von Mann und Frau möchte ich schon gar nicht beginnen, aber
ich habe das Ganze (wieder einmal) nicht verstanden. Die Musik war übrigens sehr schön, was man von der
Inszenierung nicht sagen kann. Die habe ich als äusserst langweilig empfunden. Genau so wie die Kostüme.
Die haben mir absolut nicht gefallen. Nun das sind die zwei Hauptgründe weshalb ich einer Bratwurst den
Vorrang vor dem dritten Akt gab. Zuerst die drei Waldelfen auf Ectasy...uupps, jetzt habe ich schon alles
gesagt. Nein, nicht ganz. Bis jetzt passten wenigstens die Köstume. Dann kam der Wassermann.
Er wurde von Alfred Muff zwar schön gesungen, aber was er aber nun mit seinen geschwollenen Händen
anzufangen hatte, blieben ihm wie mir bis am Schluss ein Geheimnis. Seine leibliche Tochter hatte übrigens
keine solchen Hände. (Das kommt wohl erst im Alter...) Seine Liebe zu seiner Tochter,
sein Schmerz über ihre Entscheide, kamen für mich überhaupt nicht in Erscheinung. Dann Rusalka selber...
interpretiert von Krassimira Stoyanova. Als Wassernixe wusste sie noch zu gefallen. Als noch nicht ganz
menschgewordene hat sich mich überhaupt nicht überzeugt. Zu gesucht und plakativ waren die Gesten und
Bewegungen, die uns Zuschauern Betroffenheit , Scham, usw. vermitteln sollten. Genau so könnte ein
Piktogramm gezeigt werden. Apropos künstlich...Die Darstellung des Prinzen war für mich schon fast ver-
störend. Jedes Mal, wenn er in Erscheinung getreten ist, hatte ich das Bild von American Dad vor Augen.
(und brachte es nicht mehr aus meinem Kopf, sch...) Aber das zog sich dann wenigsten wie ein roter Faden
durch die Inszenierung. Die fremde Fürstin war eine Mischung aus Cruella De Vil und Nella Martinetti.
Die Hexe Jezibaba war grotesk überzeichnet. Ich liebe (die Stimme und die normalerweise schauspielerische
Leistung von) Liliane Nikiteanu. Aber mit dieser Vorgabe konnte sie nur verlieren. Das Aufschneiden des
Kostüms von Rusalka war genaus so peinlich, wie das Kleid, dass Rusalka nachher trug. So viel Ärgerliches
hat mich dann eben zur Bratwurst verleitet. Die war aber, wie immer, ausgezeichnet ;-) Es gab auch
positives...Hervorragende Stimmen, das Orchester war ausgezeichnet, die Idee mit dem fahrenden Blumen-
feld als Symbol für die Wasserwelt hat mir gut gefallen. Aber wenn schon modern und in Bildern sprechen,
dann bitte konsequent. Auf eine karge, kalte Plattform passt kein verunglücktes Folkorekleidchen von Rusalka.
Da braucht es etwas passenderes. Hier hätten endlich einmal Lack oder Leder gepasst. Schon x-mal probiert
in verschiedenen Inszenierungen und meist sehr unglücklich, aber hier hätte es gepasst.
Alles in allem hat es mich geärgert. Ok, ich war müde und hatte Hunger. Die Bratwurst hat’s dann gerettet.
Aber das kann nicht der Sinn eines Opernabend sein. Bis zum nächsten Mal. Herzlich. Guido Signer